Tropfen auf heißen Steinen

wasserkrise

Der Colorado River formt nicht nur Arizonas bedeutendste Sehenswürdigkeit, den Grand Canyon, sondern er ist auch dafür verantwortlich, dass viele Städte des amerikanischen Südwestens, zum Beispiel Las Vegas oder Phoenix, überhaupt in der Form bestehen, in der wir sie kennen. Der Fluss transportiert den in den Rocky Mountains schmelzenden Schnee mit sich und so wurde schon vor Jahrzehnten damit begonnen, die Wassermassen so zu kanalisieren, dass sie sowohl die beständig wachsende Bevölkerungszahl, als auch die ebenso wachsende Wirtschaft versorgen können.

Das alles funktionierte ganz gut; so gut, dass man das Wasser des Colorado sogar im weit entfernten Los Angeles noch nutzte. Doch inzwischen ist auch für jeden Laien erkennbar, dass das Ende dieses Systems nahe ist: An den Ufern des Flusses oder da, wo er aufgestaut wurde, um Strom zu gewinnen, ragen plötzlich Felsen aus dem Wasser, die unten weiß und kahl sind im Gegensatz zur sonnengegerbten Oberfläche weiter oben. Über viele Jahre waren diese weißen Stellen unter Wasser doch mit dem Rückgang des Wasserspiegels tauchten sie auf einmal auf und sie wurden von Jahr zu Jahr größer. Am Lake Mead beispielsweise, auf der Grenze zwischen Nevada und Arizona gelegen, ragen plötzlich gewaltige Felsen aus dem Wasser, wo zuvor Boote gefahren sind.

Die Situation entwickelte sich über lange Zeit und sie entstand aus dem Zusammentreffen mehrerer Faktoren: Gerade der Südwesten der USA hat seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein geradezu explosives Bevölkerungswachstum erlebt; Orte in Arizona zählten jahrelang zu den am schnellsten wachsenden des ganzen Landes. Dazu kamen immer mehr Touristen, zum Beispiel in Las Vegas. Dazu kam die Tatsache, dass die Schneedecke in den Rockies Jahr für Jahr dünner wurde. Und schließlich kam dazu, dass man es jahrelang versäumt hat, die Wasserentnahme aus dem Colorado River zu begrenzen.

Inzwischen gelten in vielen Orten neue Vorschriften, die besagen, wer wofür und wieviel Wasser verbauchen darf und dazu gibt es neue Technologien, die beim Sparen helfen. Einige Erfolge lassen sich bereits registrieren; so ist zum Beispiel Phoenix in den letzten Jahren um etwa 440.000 Einwohner gewachsen, der Wasserverbrauch ist aber in den letzten 20 Jahren nicht gestiegen. Trotzdem ist absehbar, dass all diese Bemühungen zukünftig nicht ausreichen werden und so werden verschiedene Pläne diskutiert, um herauszufinden, was noch getan werden kann – sogar eine Pipeline vom Mississippi River bis in den Südwesten hat man schon durchkalkuliert. In einer Telefonkonferenz letzten Freitag versprach Präsident Obama den Bundesstaaten der Region weitere Hilfen, um wassersparende Technologien einzusetzen und solche, die verhindern sollen, dass die alljährlichen Waldbrände hier sich immer weiter ausbreiten. Letztlich bleibt aber festzuhalten, dass hier tatsächlich jeder Tropfen, der gespart werden kann, hilft – und das sollten auch die Touristen im Kopf behalten, die diese wunderbare Region weiter genießen möchten.

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