arizona-mexico-border

America’s Toughest Sheriff ist Vergangenheit

Die schmerzempfindlichste Stelle eines Wählers ist wohl nach wie vor der Geldbeutel. Das bekam jetzt auch Joe Arpaio zu spüren, der sich einst selbst zu „Amerikas härtestem Sheriff“ ernannt hat. Arpaio, seit 1993 Sheriff in Arizonas Maricopa County, ist mittlerweile stolze 84 Jahre alt und am 8. November, dem Tag der Trump-Revolution in den USA, wurde er, ein anderer Verfechter strengstmöglicher Grenzsicherung, vom Wähler abgesetzt.

Joe Arpaio ist wohl der einzige Gesetzeshüter des Landes, der es zu nationaler und sogar internationaler Berühmtheit gebracht hat. Dazu verholfen haben ihm sein Drang nach medialer Aufmerksamkeit und seine aktive Beteiligung an wilden Verschwörungstheorien, insbesondere der „Birther“-Bewegung, die Präsident Obama unterstellte, kein Amerikaner zu sein.

Vor allem aber machte Joe Arpaio Gesetze gern selbst. In der glühenden Wüstenhitze Arizonas ließ er Gefangene in Zelten unterbringen; er ließ seine Leute Menschen anhalten und durchsuchen, die irgendwie wie Latinos aussahen und er ließ Häftlingen verdorbenes Essen geben. Zwischendurch arbeitete er an seinem eigenen Image: Arpaio führte die berühmten chain gangs wieder ein, bei der Strafgefangene in Ketten gelegt werden und arbeiten müssen. Er zwang Inhaftierte dazu, rosa Unterwäsche zu tragen, „damit die nicht geklaut wird“ und als er genug Aufmerksamkeit dafür erzielt joe-arpaiohatte, verkaufte er welche in einem eigenen Fanshop.
Das alles lief ganz gut für den Sheriff, für ziemlich lang. Seine durchgreifende Art, seine Selbstinszenierung als einsamer Kämpfer für law and order kam gut an bei der weißen Bevölkerung, die zugleich auch oft die reiche Bevölkerung ist und Wahlkämpfe finanzieren kann. Und ja, es gab und gibt ja tatsächlich eine Menge Probleme mit Schmuggel und illegaler Einwanderung in Arizona. Amerikas härtester Sheriff schaffte es nicht weniger als viermal, wiedergewählt zu werden.

Das Problem vieler Populisten ist halt nur, dass man immer noch eins draufsetzen muss, um der Liebling der Fans zu bleiben; dass man sich in Populistenkreisen irgendwie immer weiter gegenseitig aufschaukelt. Als Arpaio von einem Richter verurteilt wurde, sein willkürliches Racial Profiling einzustellen und als das Department of Homeland Security ihm untersagte, seine Beamten zur Grenzsicherung einzusetzen, da pfiff er auf die Entscheidungen und erzählte der ganzen Welt, dass er drauf pfeifen würde. Kann sein, dass er unter normalen Umständen damit nochmal durchgekommen wäre, obwohl die Anwalts- und Gerichtskosten, die Arpaios Eigensinn provoziert hat, den öffentlichen Haushalt über die Jahre mit vielen Millionen belastet haben. Nur liegt der Anteil der Latinos, die er jahrelang aufs Korn genommen hatte, in Arizona inzwischen bei 20% der Bevölkerung  und die haben ihn diesmal nicht mehr durchgewunken. An dem Tag, an dem Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde, wurde der Sheriff, der ihm beim republikanischen Parteitag letztes Jahr noch Unterstützung gegeben hatte, abgewählt. Der neue Sheriff des Maricopa County ist übrigens ein Demokrat.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s