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Mr. Trumps Gegenpol

Präsident Trump ist an Gegenwind wohl gewohnt. Gleich 16 Kandidaten hat er in den primaries der Republikaner aus dem Feld geschlagen. Er ist bei vielen Europäern nicht beliebt, bei den Chinesen auch nicht und bei den Demokraten erst recht nicht. Aber derjenige, der ihn wahrscheinlich am tiefsten unter die Haut kriechen kann, das ist einer aus den eigenen Reihen: Senator John McCain aus Arizona.

McCain, der 2008 als Präsidentschaftskandidat der Republikaner krachend an Barack Obama gescheitert war, blüht in der Rolle als Trump-Kritiker regelrecht auf. Er ist inzwischen 80 Jahre alt und seit 30 Jahren im Senat, es gibt nicht mehr viel, was ihn noch schocken kann. John McCain hat mit und gegen republikanische und demokratische Präsidenten gearbeitet, er hat immer seinen eigenen Kopf gehabt und eine Meinung, die sich nicht über eine Parteizugehörigkeit identifiziert. Nur diesmal ist es nicht nur eine tiefempfundene Abneigung gegen Stil und Ideen von Donald Trump, sondern diesmal ist es auch etwas persönliches.

Es war im Juli 2015, am Anfang einer langen, hässlichen Kampagne, die sich „Vorwahlen der Republikaner“ nannte. John McCain, einer der profiliertesten und erfahrensten Vertreter dieser Partei, hatte das Bewerberfeld betrachtet und konstatiert, dass Donald Trump derjenige sei, der „die Verrückten aufstachele“. Trump nahm mccain-soldierdas persönlich, so wie er alles persönlich nimmt und da Trump sich auch schlecht zügeln kann, muss er immer noch einen draufsetzen. John McCain sei kein Kriegsheld, verkündete er, denn Helden sein die, die sich nicht gefangen nehmen ließen.

John McCain, Sohn und Enkel von Marineadmiralen, trat 1958 ins Militär ein, er wurde Marineflieger. Bei einem Einsatz im Vietnamkrieg wurde sein Flugzeug vom Feind beschossen. Er stürzte ab und wurde vom Schleudersitz in einen See befördert, aus dem ihn Nordvietnamesen herauszogen und ihn als Kriegsgefangenen  ins Gefängnis warfen. Er verbrachte mehrere Jahre in Einzelhaft und bei wiederholter Folter.

Als Trump McCain herabwürdigte, da waren es vor allem andere Republikaner, die dem Senator aus Arizona beistanden, darunter der heutige Pressesprecher des Weißen Hauses unter Trump, Sean Spicer. Heute, in den ersten Wochen von Trumps Präsidentschaft, die gezeichnet sind von Protesten und massiven Widerständen gegen das Verhalten und die Entscheidungen von Donald Trump und seinem Team, ist das anders. Während überall in der Welt harte Kritik laut wird und der Teil der amerikanischen Bevölkerung, der Trump nicht gewählt hatte, lautstark gegen den Präsidenten protestiert, ist die republikanische Partei noch immer beseelt davon, dass sie nach acht Jahren Obama nun den Präsidenten und die Mehrheiten in beiden Parlamentskammern stellen und das Land nun nach eigenen Vorstellungen umgestalten können.

Diese Freiheiten wollen die Republikaner nicht riskieren. John McCain jedoch ficht das nicht an. Für ihn, den überzeugten Patrioten, gilt genauso „America First“ wie für den Präsidenten, doch in der Interpretation dessen, was Amerika braucht, unterscheiden sich die beiden Männer erheblich. McCain hält nichts vom isolationistischen Kurs in der Wirtschaftspolitimccainukrainek, nichts von einer teuren Mauer an der mexikanischen Grenze, nichts von einem Einreiseverbot für Menschen aus bestimmten Ländern und schon mal gar nichts von einem Schmusekurs gegenüber Russlands Präsident Putin. Den Silvesterabend 2016 verbrachte John McCain bei ukrainischen Soldaten im Donbass.

Am 20. Januar zelebrierte Donald Trump seine Amtseinführung, das ist jetzt gut 20 Tage her. In diesen drei Wochen hat McCain den neuen Präsidenten für seine Personalwahl für den Job des Außenministers kritisiert, er hat den Präsidenten für seinen Vergleich zwischen dem russischen und dem amerikanischen Politiksystem kritisiert, er hat den Präsidenten für seine Mauerbaupläne kritisiert, er hat den Präsidenten für den Rückzug von TPP kritisiert, er hat den Präsidenten für die schiefgegangene Militäroperation im Jemen kritisiert, er hat den Präsidenten wegen dessen Absicht, das Freihandelsabkommen NAFTA aufzukündigen kritisiert und er hat den Präsidenten für den Einreisebann gegen Bürger aus sieben Ländern kritisiert. John McCain, das lässt sich wohl sagen, ist nicht begeistert vom Präsidenten aus der eigenen Partei. Doch man nimmt es ihm ab, dass er diese Kritik nicht aus verletztem Stolz heraus formuliert, sondern weil alle diese Dinge seinen Überzeugungen widersprechen; Überzeugungen, die er auch in den letzten drei Jahrzehnten nationaler Politik vertreten hat und die ihm immer wieder die Zustimmung seiner Wähler beschert hat.

John McCain trägt den Kampf gegen Trump offen aus. Es ist ihm egal, was die anderen Republikaner im Senat dazu sagen, denn er braucht ihre Gunst nicht mehr. Gerade deshalb haben McCains Worte besonderes Gewicht, sie sind frei von taktischen Überlegungen. Und eben weil Trump weiß, dass McCain von diesem Standpunkt aus agiert, wurmt ihn die Kritik besonders. „John McCain hat so oft verloren, dass er nicht mehr weiß, wie gewinnen geht“ twitterte er zuletzt merklich angefasst in Reaktion auf eine neue Kritik des Senators. John McCain könnte, im stolzen Alter von 80 Jahren, zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der amerikanischen Politik werden; dann nämlich, wenn sich eine Widerstandsbewegung formiert. John McCain wäre bereit.

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